BDI fordert überzeugende Klimapolitik im Gebäudesektor

BDI fordert überzeugende Klimapolitik im Gebäudesektor

Die BDI-Studie „Klimapfade 2.0“ zeigt der Politik auf, wie das ambitionierte Klimaziel 2030 im Gebäudesektor erreicht werden könnte. Die Herausforderungen sind riesig, da bis 2030 die Emissionen um 46 Prozent und der Energieverbrauch um 50 Prozent im Vergleich zu 2019 gesenkt werden muss. Die Sanierungsquote muss laut der Studie fast verdoppelt werden: von 1,1 Prozent p. a. auf 1,9 Prozent p. a. im Jahr 2030. Die immense Herausforderung erfordert von der Bundesregierung rasches und überzeugendes politisches Handeln.

Bürger informieren, um Gebäude zur 2045-Reife zu bringen

Klarheit für die Bürgerinnen und Bürger zu den bestehenden Anforderungen zu schaffen, ist eine zentrale Anforderung an die Politik. Jeder Gebäudebesitzer muss wissen, welcher Beitrag für das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 von ihm gefordert ist. Im Durchschnitt müssen Ein- und Zweifamilienhäuser zur kosteneffizienten Verwendung von klimaneutralen Energieträgern auf einen gebäudespezifischen Primärenergiebedarf von 70 kWh/m²a für Raumwärme- und Wasserbedarf saniert werden. Diese und weitere Kennzahlen sollten Gebäudeeigentümern als die Entscheidungsgrundlage für die Ertüchtigung der Gebäudehülle, die Entscheidung über die Wärmeversorgung sowie die Optimierung des Gebäudebetriebs an die Hand gegeben werden. Daher fordert der BDI die verpflichtende Erstellung eines Sanierungsfahrplans für jedes Gebäude bis spätestens 2028, wobei die Erstellung weiter gefördert werden sollte. Der Sanierungsfahrplan sollte aufzeigen, mit welchen Maßnahmen das Gebäude bis 2045 klimaneutral gemacht werden kann. Der weiteren Verschärfung von Sanierungsstandards bedarf es dagegen nicht, um das Ziel der Klimaneutralität zu realisieren.

Förderung fortführen und zielgerichtet weiterentwickeln

Der mit dem „Klimaschutzprogramm 2030“ im Gebäudesektor eingeschlagene anreizbasierte Wege muss fortgesetzt und durch zusätzliche Investitionsimpulse werden. Dafür müssen die Förderprogramme ausfinanziert und längerfristig fortgeführt werden. Die Bundesförderung Energieeffiziente Gebäude (BEG) hat sich zu einem effektiven Anreizinstrument zur Sanierung des Bestandes entwickelt – die Gebäudesanierung ist dank der Weiterentwicklung der BEG in Gang gekommen. Nach der Anlaufphase, der Weiterentwicklung und den gemachten Erfahrungen muss das Förderprogramm nun zielgerichtet optimiert werden: Die Fördersätze für besonders aufwendige Maßnahmen an der Gebäudehülle inklusive Fenstertausch sollten auf das Förderniveau für den Einbau von Heizungen, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, angehoben werden. Zum anderen sollte es einen Bonus bei Durchführung von Maßnahmenkombinationen geben.

Fachkräfte ausbilden, qualifizierte Zuwanderung stärken

Die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften muss ebenfalls wie oben auf der politischen Agenda stehen. Um die Energiewende und die Sanierung des Bestandes insgesamt voranzubringen, braucht es viele zusätzliche gut ausgebildete Fachkräfte. Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) rechnet vor, dass eine Verdopplung der Sanierungsrate auch eine Verdopplung der Arbeitskräfte erfordert. Allein für die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes in Deutschland werden zusätzlich 350.000 Fachkräfte benötigt, was ein Anwachsen der Beschäftigtenzahl auf 700.000 bedeuten würde. Eine Sorge ist, dass die von der EU-Kommission angestrebte Einführung von Mindestenergieeffizienzstandards für Bestandsgebäude und eine „Nullemissionshaus“-Anforderung beim Neubau den Mangel an Fachkräften europaweit zusätzlich verschärft. Daher sollte es einen europäischen Ansatz zur Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte geben. Das schließt finanzierte Umschulungsprogramme ebenso ein wie die gezielte Anwerbung von qualifiziertem Personal aus dem EU-Ausland.

Ziele erreichen mit abgestimmtem Instrumentenmix

Es braucht einen gut abgestimmten Instrumentenmix und ganzheitlichen Ansatz, um die sehr ambitionierten Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen. Diesen Appell richtete der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch in der BDI-Diskussionsveranstaltung „Klimapfade 2.0 – Fokus Gebäude“ – mit Volker Christmann (Vorsitzender der Geschäftsführung, DEUTSCHE ROCKWOOL), Karlheinz Reitze (Geschäftsführer Digital Energy Solutions, Viessmann), Dr. Julia Verlinden, MdB (stv. Fraktionsvorsitzende, Bündnis90/Die Grünen) und Daniel Föst, MdB (bau- und wohnungspolitischer Sprecher, FDP) – an die neue Bundesregierung. Dazu gehört neben der Fortführung und gezielten Weiterentwicklung der Sanierungsförderung auch günstigerer Strom, betonte Lösch.

Die Veranstaltung war die erste der Diskussionsreihe zur BDI-Studie „Klimapfade 2.0“, die der BDI im Oktober 2021 vorgestellt hat.

Einen Videomitschnitt der Diskussionsveranstaltung können Sie hier abrufen.

Die Studie „Klimapfade 2.0“ und weitere Informationen finden Sie hier.