Technologieoffene, wirkungsvolle und ganzheitliche Impulse für Wärmewende
© Ingo Bartussek

Technologieoffene, wirkungsvolle und ganzheitliche Impulse für Wärmewende

Ohne eine Mobilisierung der großen Energieeffizienz- und CO2-Einsparpotenziale im Gebäudebereich wird Deutschland seine selbst gesteckten Klimaschutzziele niemals erreichen können. Die Sanierungsquote bei Gebäuden liegt jedoch seit Jahren bei unter ein Prozent. Spitzenpolitiker verschiedener Parteien haben sich für einen Neuanlauf für eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung von 1- und 2-Familienhäusern sowie privat genutzten Wohnungen ausgesprochen. Der BDI und die BDI-Initiative „Energieeffiziente Gebäude“ haben mit einem breiten Kreis von Spitzenverbänden und Institutionen dafür bereits Mitte Oktober, zu Beginn der Regierungsbildung, einen konkreten Modellvorschlag vorgelegt. Für gewerblich genutzte Gebäude halten der BDI und die BDI-Initiative ergänzende Maßnahmen für erforderlich.

Zur Auslösung einer Sanierungswelle bei privat genutztem Wohnraum braucht es einen wirkungsvollen Impuls in Form einer technologieoffenen steuerlichen Förderung. BDI und BDI-Initiative schlagen vor, 30 Prozent der Investitionskosten steuerlich über drei Jahre abzugsfähig zu machen. Eine entsprechend attraktive Ausgestaltung sichert eine breite Wahrnehmung des Instruments und damit die Wirksamkeit der Maßnahme. Die steuerliche Anrechnung sollte durch Einreichen der Handwerker-Rechnung mit der Steuererklärung beim Finanzamt erfolgen. Die Laufzeit eines entsprechenden Programms sollte mindestens zehn Jahre betragen, damit benötigte Kapazitäten geschaffen werden können. Durch ein Absinken des Fördersatzes um durchschnittlich einen Prozent über die Laufzeit sollte ein Anreiz für eine zügige Inanspruchnahme des Instruments gegeben werden. Der BDI und die BDI-Initiative plädieren dafür, das Modell konsequent technologieoffen auszurichten und Einzelmaßnahmen zu fördern. Förderfähig sollten alle Maßnahmen sein, die der Verbesserung der Energieeffizienz dienen und die auch schon heute als förderwürdig eingestuft sind.

Vorschläge für gewerblich genutzte Gebäude

Um großflächigere energetische Sanierungen gewerblich genutzter Gebäude – vermieteter Immobilien und selbstgenutzter Wirtschaftsimmobilien – möglich zu machen, sollten drei Maßnahmen getroffen werden:

Erstens sollten die Kosten wichtiger Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen schon im Jahr der Entstehung steuerlich berücksichtigt werden. Dies würde Sanierungen deutlich attraktiver machen. Derzeit müssen Kosten von Sanierungsmaßnahmen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden und 15 Prozent der Anschaffungskosten übersteigen, über die Gesamtnutzungsdauer des Gebäudes von bis zu 50 Jahren abgeschrieben werden.

Zweitens sollten Einnahmen aus Anlagen zur Erzeugung elektrischen Stroms aus regenerativen Energien so qualifiziert werden, dass Mieteinnahmen anders als bisher in diesen Fällen vollständig von der Gewerbesteuer befreit bleiben, also nicht gewerbesteuerlich „infiziert“ werden. Die Einspeisung von erneuerbaren Energien in vermietete Immobilien würde damit attraktiv.

Drittens sollte die Anwendung von Contracting-Modellen bei Energieeffizienz-Projekten erleichtert werden. Derzeit muss meist eine aufwendige steuerliche Einzelfall-prüfung in Bezug auf die Abgrenzung von immobilen Gegenständen gegenüber separierbaren Vermögensgegenständen erfolgen. Dies sollte durch eine Präzisierung von Kriterien zur Abgrenzung der Leasingfähigkeit ausgeschlossen werden.

Der BDI und die BDI-Initiative setzen sich dafür ein, dass die genannten Vorschläge in der neuen Legislaturperiode zügig und umfassend umgesetzt werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass zeitnah eine Sanierungsoffensive bei dem Wohn- und Nichtwohngebäudebestand in Deutschland erfolgen kann und dass erhebliche Energie- und CO2-Einsparpotenziale realisiert werden können.