BDI-Klimastudie – mehr Anstrengungen und politische Flankierung bei Gebäuden erforderlich
© Christian Kruppa - BDI-Präsident Prof. Dieter Kempf während der Konferenz "Klimpfade für Deutschland" am 18. Januar 2018 in Berlin

BDI-Klimastudie – mehr Anstrengungen und politische Flankierung bei Gebäuden erforderlich

Grenzen der Machbarkeit

Die BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“ verdeutlicht, welche Treibhausgasreduktionen realisierbar sind und welche Anstrengungen dafür unternommen werden müssen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Treibhausgasreduktion um 80 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 bis 2050 technisch möglich und volkswirtschaftlich verkraftbar ist. 95 Prozent Treibhausgasreduktion wären an der Grenze absehbarer technischer Machbarkeit und heutiger gesellschaftlicher Akzeptanz. Das Ziel, gegenüber dem Jahr 1990 bis 2050 95 Prozent THG-Emissionen einzusparen, ist daher überambitioniert. Das 80-Prozent-Reduktionsziel ist ambitioniert, aber realisierbar. Bei optimaler Umsetzung geht dabei in Deutschland weder Industrie verloren noch werden die Bürger überfordert. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass heute die richtigen Weichenstellungen getroffen werden und dass der Prozess von der Politik richtig gehandhabt wird.

Erforderliche Maßnahmen

40 Prozent der Primärenergie in Deutschland entfallen auf den Gebäudebereich, in dem ein großes Treibhausgas-Einsparpotential schlummert. Um den 80 %-Pfad zu realisieren, muss der Stillstand in der Sanierungsrate von Gebäuden überwunden und unmittelbar um 50 Prozent von 1,1 Prozent pro Jahr auf 1,7 Prozent gesteigert werden. Diese Sanierungsrate muss dann bin zum Jahr 2050 aufrechterhalten werden. Die benötigten Technologien für die Realisierung der Klimaziele sind verfügbar, jedoch ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Umsetzung der geforderten Maßnahmen in vielen Fällen eine Herausforderung.

Der BDI plädiert deshalb für eine Reihe flankierender Maßnahmen: Dazu zählt insbesondere eine attraktive, einfach umsetzbare und technologieoffene steuerliche Förderung für Sanierungen von privat genutzten Wohnraum. Für gewerbliche Immobilien und Nichtwohngebäuden sollten steuerliche Hemmnisse abgebaut werden. Für eine steuerliche Förderung wurde unter Federführung des BDI mit einem Kreis namhafter Verbände bereits im Herbst 2017 ein Vorschlag dafür formuliert. Immobilienbesitzer sollten 30 Prozent der Sanierungskosten für Einzelmaßnahmen über drei Jahre steuerlich abschreiben können.

Beim Ordnungsrecht sieht der BDI eine überzogene Regulierung als den falschen Weg an. Dies würde vorrangig Attentismus bewirken. Die geltenden Anforderungen der EnEV 2016 müssen Zug um Zug entsprechend des aktuellen Stands der Technik weiterentwickelt werden, ohne dass Hausbesitzer und Bauherren dabei überfordert werden. Zusätzlich sollte EnEV 2016 als von der EU geforderte nationale Niedrigstenergiegebäudestandard festgelegt werden. Ziel muss es insgesamt sein, technologieoffen Bestandsgebäude ganzheitlich ertüchtigen und Neubauten so energieeffizient wie möglich errichten zu können.

Der BDI ist überzeugt, dass zudem die bestehenden Förderprogramme in einem Programm zusammengeführt und dass dieses ebenfalls attraktiv, einfach und technologieoffen gestaltet werden müssen. Die Höhe der Förderung sollte an die damit erreichte Energie- bzw. CO2-Einsparung geknüpft werden. Um Fördermittel effizient einzusetzen, sollte ein Quartiers- und Gebäudeportfolioansatz berücksichtigt werden können, wenn dadurch auch für die Einzelimmobilie größere CO2-Emissionssenkungen erreichbar sind.

Zügiges Handeln erforderlich

Der Gebäudebereich ist mit der bereits erreichten Treibhausgasreduktion von 39 Prozent gegenüber 1990 relativ gesehen schon sehr weit. Für ein Erreichen des 80 Prozent-Reduktionsziels hätte er nach der BDI-Studie mit einer Reduktion von 92 Prozent bis 2050 aber auch das ambitionierteste Zielniveau aller Sektoren. Zudem gehen die bisher erreichten Treibhausgasreduktionen im Gebäudesektor vor allem auf Nach-Wende-Effekte zurück. Das 80-Prozent-Ziel ist für den Gebäudebereich mit verfügbaren Technologien realisierbar. Die Werkzeuge sind vorhanden, sie müssen nur zum Einsatz gebracht werden. Die Herausforderungen sind den Stillstand zu überwinden und das unmittelbar. Dafür ist schnelles politisches Handeln geboten. Die Maßnahmen, die nach Überzeugung der Industrie erforderlich sind, sind in den BDI-Handlungsempfehlungen zur BDI-Studie zusammengefasst.

https://bdi.eu/publikation/news/klimapfade-fuer-deutschland/

20180118_gebaeude_position_bdi_handlungsempfehlungen_zur_studie_klimapfad..