BDI fordert überzeugende  "Renovierungswelle"
© BDI, von oben links nach unten rechts: Holger Lösch, Lothar Fehn Krestas, Hans van Steen, Pernille Weiss

BDI fordert überzeugende "Renovierungswelle"

Der BDI fordert von der EU-Kommission und den EU-Mitgliedstaaten eine überzeugende Umsetzung der EU-Initiative für eine Renovierungswelle ein. Ziel der gleichnamigen Initiative der EU-Kommission ist es, den Anteil umfassender Gebäudesanierungen pro Jahr, der heute EU-weit bei unter 1 Prozent liegt, bis zum Jahr 2030 mindestens auf 2 Prozent zu steigern. Damit soll es gelingen, das neue CO2-Einsparziel zu erreichen, das die EU-Kommission mit ihrem Klimaschutzprogramm „Green Deal“ für den Gebäudesektor formuliert hat: Demnach sollen bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2015 60 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden. Der Gebäudesektor soll folglich maßgeblich zum Erreichen des neuen Klimaschutzziels für die EU beitragen, das eine Minderung der CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 vorsieht.

„Green Deal“ mit Renovierungswelle zu einem „Smart Deal“ machen

Der BDI sieht in der Initiative für eine Renovierungswelle die Chance, den Green Deal zu einem „Smart Deal“ zu machen, der gleichzeitig Impulse für mehr Klimaschutz und für wirtschaftliches Wachstum in der EU erbringt: Denn die energetische Sanierung von Gebäuden mindert nicht nur direkt CO2-Emissionen, sie leistet auch sehr hohe lokale Wertschöpfungsbeiträge und die Wertschöpfungsketten verlaufen quer durch die EU. Gleichzeitig ist der BDI überzeugt, dass das Erreichen des neuen Einsparziels im Gebäudesektor eine Herkulesaufgabe wird: 17 Millionen Tonnen CO2 müssen bis 2030 in Deutschland zusätzlich bei Gebäuden eingespart werden. Dabei muss den Gutachten der Bundesregierung zufolge für den Gebäudesektor schon mit Blick auf das bisherige Ziel mit einer Einsparlücke von bis zu 17 Millionen Tonnen CO2 gerechnet werden.

Finanzierungsbeschränkungen bei allen Akteuren adressieren

Als eine zentrale Herausforderung für das Auslösen der angestrebten Renovierungswelle hat EU-Vizepräsident Timmermanns das Schließen der bestehenden Investitionslücke benannt: 900 Millionen Euro müssen nach Berechnungen der EU-Kommission pro Jahr EU-weit zusätzlich in die energetische Gebäudesanierung investiert werden. Der Investitionsbedarf ist damit höher als in jedem anderen Sektor. Für den BDI misst die EU-Kommission konsequenterweise der Stärkung der Finanzierungsinstrumente in ihrem Aktionsplan die höchste Bedeutung bei. Gleichzeitig sieht der BDI die EU-Kommission in der Verantwortung, die Mobilisierung der Mittel aus sämtlichen Finanzierungsquellen – EU-Fonds, nationale Fonds und private Investitionsfonds – zu koordinieren. Nach Überzeugung des BDI müssen für die geforderten Investitionen Finanzierungsbeschränkungen bei allen Akteuren überwunden werden: Insbesondere bei privaten Eigentümern, aber ebenso bei Mietern, Wohnungsgesellschaften, Industrieunternehmen und der öffentlichen Hand.

Menschen in Europa für Vorhaben gewinnen und zur Umsetzung befähigen

Wirklichkeit werden kann eine Renovierungswelle in der EU nur, wenn alle verantwortlichen politischen Akteure sich gemeinsam für eine kraftvolle Umsetzung des Vorhabens einsetzen. Diesen Appell richtet der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch in der vom BDI organisierten virtuellen Roundtable Diskussion an Hans van Steen (EU-Kommission), Lothar Fehn Krestas (EU-Ratspräsidentschaft/ Bundesregierung) und Pernille Weiss (EU-Parlament). Zu der Ausgestaltung der unterschiedlichen Instrumente – insbesondere zu dem Vorschlag der EU-Kommission zur Einführung von Sanierungsverpflichtungen – gibt es noch viel Diskussionsbedarf. Gleichzeitig besteht in der Roundtable Diskussion großes Einvernehmen darüber, was die wichtigste Aufgabe zur Umsetzung der Renovierungswelle sein wird: Die Menschen in Europa müssen für das Vorhaben gewonnen und für umfassende energetische Sanierungen ihrer Gebäude befähigt werden.

Aufzeichung der Roundtable-Diskussion:
youtu.be/KBftdnt7-oE

BDI-Stellungnahme zum Aktionsplan der EU-Kommision für eine "Renovierungswelle":
bdi_position_renovation-wave_december-2020