Die BDI-Initiative "Energieeffiziente Gebäude"

Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)

Warum der Klimaschutz vom Zustand unserer Gebäude abhängt

Die Gebäude in Deutschland sind die größten Energiefresser. Ohne eine Sanierungswelle kann die Bundesregierung ihre Klimaziele niemals erreichen. Den Willen zu einem klimaneutralen Gebäudebestand gibt es und auch wirtschaftlich einsetzbare Technologien sind bereits verfügbar – aber die benötigten politischen Rahmenbedingungen fehlen.

Es ist eine Mammutaufgabe von weltweiter Bedeutung. Die Luft soll sauberer werden, das Klima besser geschützt. Fast zweihundert Länder haben auf dem Weltklimagipfel in Paris zugestimmt, die Treibhausgase zu verringern und die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf mindestens 1,5 Grad Celsius zu beschränken. So weit, so gut. Doch um die ambitionierten Ziele zu erreichen, sind Taten nötig. Die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei jedem Land selbst.

Deutschland hat sich bereits im Jahr 2010 das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 rund 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als noch 1990. Der Gebäudebestand soll bis dahin nahezu klimaneutral sein. Es ist eine offene Wahrheit, dass dazu nicht nur eine nachhaltige Energieerzeugung nötig ist, sondern auch die effizientere Nutzung. Insbesondere der Gebäudesektor braucht mehr Aufmerksamkeit. Denn hier ruhen die größten Einsparpotenziale. Laut dem Ende des Jahres 2016 in Deutschland verabschiedeten „Klimaschutzplan 2050“ sollen bei Gebäuden bis zum Jahr 2030 noch einmal zusätzlich acht Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Die Zeit drängt also.

Gebäude als Energiefresser

Die Gebäude sind derzeit wahre Energiefresser. Mehr als ein Drittel des Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf ihren Betrieb, das macht über 30 Prozent des CO2-Austoßes aus. Die Schlussfolgerung ist simpel: Erst wenn die Energieeffizienz im Gebäudesektor nachhaltig gesteigert ist, kann Klimaschutz wirklich gelingen – das hat auch die Bundesregierung anerkannt.

Vor diesem Hintergrund hat sich die BDI-Initiative „Energieeffiziente Gebäude“ gegründet, ein branchenübergreifender Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden. Das Netzwerk dient als Ansprechpartner für Politik, Ministerien, Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft. Ziel ist es, das Thema Energieeffizienz bei Gebäuden voranzubringen, Rahmenbedingungen mitzugestalten und Wege zu einer erfolgreichen Energiewende aufzuzeigen.

Sanierungsquote verdoppeln

Die Lage in Deutschland ist so: Viele Häuser stammen aus der Nachkriegszeit, als es noch keine energetischen Anforderungen gab. Fast zwei Drittel der Fassaden sind ungedämmt und bei der Anlagetechnik sind knapp 70 Prozent nicht auf dem neuesten Stand. Trotzdem stagniert die Sanierungsquote des Gebäudebestands seit Jahren bei etwa einem Prozent. Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, müsste die Quote mindestens verdoppelt werden.
Die positiven Effekte wären beeindruckend. Durch eine ganzheitliche energetische Sanierung eines Gebäudes kann dessen Energieverbrauch um über 80 Prozent gesenkt werden. Schon innerhalb von zehn Jahren würde eine Menge Wärme eingespart werden, die dem Bedarf von zehn Millionen Haushalten entspricht. Zugleich ließe sich so viel CO2 einsparen, wie drei Kohlekraftwerke ausstoßen.

Investoren motivieren

Technisch wäre die klimaneutrale Ausstattung der Gebäude in Deutschland längst machbar. Die deutsche Industrie ist Weltmarktführer bei klimaschützenden Technologien. Eine BDI-Studie ergab zudem, dass 90 Prozent der Maßnahmen wirtschaftlich umsetzbar wären. Deshalb brauchen wir ein langfristig angelegtes Gesamtkonzept zur Motivation von Investoren in Deutschland. Dafür müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen und Anreize richtig gesetzt werden.

Keine Technologie bevorzugen

Ein Großteil der Gebäude ist im Besitz privater Eigentümer, insbesondere im Wohnbereich. Privateigentümer haben also eine wichtige Rolle für das Erreichen der Klimaschutzziele. Sie müssen positiv zu Investitionen in Energieeffizienz motiviert werden. Es muss gelten: Freiwilligkeit vor Zwang. Die Investitionskulisse muss um einen wirksamen zusätzlichen Impuls in Form einer steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung ergänzt werden. Zudem müssen bürokratische Hürden abgebaut werden. Bestehende Förderprogramme wie jene der KfW müssen vereinfacht werden.

Grundsätzlich dürfen keine bestimmten Technologien oder Energieträger bevorzugt werden. Wichtig sind Technologieoffenheit und Energieträgerneutralität. Ausschlaggebend bei Sanierungen sollte die Verringerung des Treibhausgasausstoßes sein – egal, mit welchem Technologie-Mix das gelingt. Hybride Systeme sind eine wichtige Stütze bei der Umstellung auf erneuerbare Energien. Der Schalter kann nicht einfach umgelegt werden.

Das ganze Gebäude im Blick

Ganzheitlichkeit muss im Mittelpunkt stehen. Das gesamte Gebäude mitsamt seiner Nutzung muss angeschaut werden, um die individuell passenden Maßnahmen ergreifen zu können. Abhängig von Zustand, Nutzung und Standort sind die Anforderungen sehr unterschiedlich. Eine Plattenbausiedlung verlangt ein anderes Vorgehen als ein denkmalgeschütztes Museum. Im Sinne der Effizienz sollte in einem ersten Schritt für jedes Gebäude ein energetisches Gesamtkonzept in Form eines Sanierungsfahrplans entwickelt werden. Das gilt gleichermaßen für Wohn- wie auch für Nichtwohngebäude.

Wegweisende neue Konzepte mitdenken

Ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept für energieeffizientere Gebäude in Deutschland berücksichtigt auch neue Konzepte wie die Sektorkopplung. Gemeint ist die zunehmende Verflechtung zwischen den Sektoren Elektrizität, Wärme und Mobilität. Auch dafür müssen stimmige Rahmenbedingungen geschaffen werden. Auch die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle. Die Energieströme eines Gebäudes können damit transparent gemacht und optimiert werden. Im Idealfall passen sich Gebäude mithilfe von Digitalisierung und Automation zukünftig an die wechselnden Bedingungen an – an die Anzahl der Nutzer, die sich im Haus aufhalten, ebenso wie an Wetterverhältnisse.

Letztlich ist es so: Die eingangs erwähnten Beschlüsse von Paris erhöhen den Handlungsdruck. Es ist unverständlich, warum die Bundesregierung bisher kein abgestimmtes und schlüssiges Gesamtkonzept für mehr Energieeffizienz bei Gebäuden vorlegt. Für Eigentümer in Deutschland müssen attraktive Investitionsbedingungen geschaffen werden, ohne Ausschluss bestimmter Technologien oder Energieträger. Alle Gebäudetypen müssen ganzheitlich betrachtet und passgenaue Lösungen gefunden werden. Nur so werden Energieeinsparpotenziale wirklich genutzt – und die Klimaziele können erreicht werden. Die Bundesregierung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und einen dringend benötigten Sanierungsfahrplan für den klimaneutralen öffentlichen Gebäudebestand aufstellen, der immerhin zwölf Prozent der Gebäude in Deutschland umfasst. Das wäre ein wichtiges Signal.

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